Elendige Philosophie

 

Der Kaffee am Arsch der Welt - Die Welt im Arsch und erst einmal einen Kaffee.

 

Es wird wohl doch mal wieder ein bisschen eine Arbeit.

Der Autor jedoch verspricht, dass es mir nach der ernsthaften Lektüre deutlich besser gehen werde. Und das bin ich mir doch allemal wert. Hier. Alleine und ganz auf mich selbst gestellt. Als erwachsene Frau, kritische und mündige Leserin.

Es ist eine "moralisch aufgeladene und tief gespaltene Zeit" in der ich mich nun hinsetze und dies versuche niederschreiben: noch immer gibt es Menschen mit Fluchthintergrund, noch immer ist die Welt geteilt in In- und Ausländer, Frauen und Männer, Arme und Reiche, Kinder und Erwachsene und dann auch noch die ganze "Pandemiesituation", -wie ein grausig - brutaler und Angst machender, schwer einzuschätzender Albtraum mit Gnomen und schauerlichen Zwergengestalten erstreckt sie sich über den Alltag der mitunter auch Fleisch essenden, wohnenden, manchmal auch nicht richtig wohnenden verschiedenen Bevölkerungsgruppen und sozialen Schichten des Landes. Nein: der ganzen Welt. Auch China, den griechischen Inseln und über das russische Festland hinweg.

Während ich an diesem Schreibtisch sitze und eine Tasse Kaffee genieße, möchte ich mich mehr noch der Sinnlichkeit im Leben gegenüber äußern, denn schon mindestens drei Sinne sind  bei dem langsamen Schlürfen des braunen Energiesudes aus ganzen Bohnen angeregt. "Die Bildung der 5 Sinne ist eine Arbeit der ganzen bisherigen Weltgeschichte." (Lexikon 329) 

1. Kapitel Das Burgerschnäppchen oder: das Schmecken 

 

Es ist ein Glücksrad
Es ist ein Sprung ins Ungewisse
Es ist das Band der Hoffnung
Bis wir unseren Platz finden
Auf dem Pfad, der sich vor uns ausrollt
( "Der König der Löwen")

Heute war ein Tag an dem Unvorhergesehenes, aber Positives geschah. Es trat ein, dass ich am späten Nachmittag eines verregneten Dienstag im Oktober das Haus verließ und fast ein wenig geblendet von dem Tageslicht auf die Straßen Münchens trat. Ich wollte ein befreundetes Arztpärchen treffen und eine Flasche Wein vorbeibringen. Also schritt ich den Berg Richtung U-Bahn Station hinab als mich ein starkes Hungergefühl überkam. Ich hielt aus bis ich die drei Stationen gefahren war und das Einkaufszentrum in der ansonsten eher langweiligen und gewöhnlichen Wohngegend sich vor mir in den grauen und kalten Winterhimmel erstreckte. Rolltreppe rauf: Burger King. Mit Maske stand ich vor einem sichtlich genervtem Mitt-Fünfziger der hörbar unfreundlich zu der ausländisch anmutenden Burgerverkäuferin sprach:

 

" Nein, mit einer g-r-o-ß-e-n  C-O-L-A und doppelt Mayo."

er tippte nervös von einem Fuß auf den anderen. 

"Okay.Okay, Sir." antwortete die Dame und war sichtlich gestresst. 

 

Endlich kam ich dran und bestellte ein Chicken Menü mit mittleren Pommes und ebenfalls Mayonnaise, als ich die Frau als eine meiner ehemaligen Schülerinnen erkannte. 

"Chickenburger. Chicken yes?" hallte es mir entgegen und ich rief aus:

"Sie sind doch - Sie sind doch aus meinem Deutschkurs. Ich bin die Lehrerin."

Und die Frau aus Indien fing an breit über das ganze Gesicht zu grinsen:

"Oh, the teacher. I remember. Ich nicht mehr Deutschkurs."

"Was? Warum nicht?"

"Wegen Arbeit. Ich arbeite viel. Und Deutsch ich nix gut. Und außerdem ich finde keine Wohnung. Das wichtigst. Erst Wohnung. Dann Deutsch lernen. Ich mach Ihnen Angebot. Moment"

und sie verschwand in die nach Frittierfett riechende Küche hinter der blau-roten Burgertheke. Nach zwei Minuten kam sie wieder und schenkte mir meine Cola light ein. 

Als ich mich freundlich verabschiedet hatte und noch einmal betont hatte, dass es mich treffen würde, dass sie keine Wohnung finden würde wollte ich mich an einen Stehtisch stellen und mein Menü essen, doch alle Plätze waren mit Absperrband verhängt und man durfte die Speisen nicht im Restaurant selbst verzehren. So ein Mist! Dann also raus in die Kälte vor das Einkaufszentrum. Vor dem Center nicht einmal eine Bank oder Ähnliches, nur eine Art schmales Fensterbrett welches sich an der Fassade entlang zog und auf dem ich meine Tüte abstellen konnte um die Mayo über den Pommes zu verteilen. 

 

 

Literatursammlung zum Artikel \ digitale Quellenangaben:

* Primärtexte

*"Wörterbuch der Würde" Gröschner\Kapust\Lembcke (Hg.) UTB 

*"Das Marx-Engels-Lexikon" Lotter\Meiners\Treptow 

*"Der Sandler"
von  Markus Ostermair

ISBN: 3955102297
EAN: 9783955102296
Osburg Verlag

 

* "Der Kaffee am Arsch der Welt - Eine Erzählung über den Unsinn pseudophilosophischer Weisheiten (Deutsch)  von Leo Fischer                

 * Sekundäre Quellen

Hörbuch "Wer bin ich? Und wenn ja, wieviele? " von Richard David Precht