Hiermit setze ich einen Anfang.
Ich denke irgendwie, ja jedenfalls irgendwie ist dieser Roman auch zu einem gewissen Grade dem Menschen, Künstler, Autoren
Wolfgang Herrndorf gewidmet.
Um ehrlich zu sein habe ich tatsächlich nur "Tschick" gelesen.
Ist auch schon länger her.
Innerhalb zweier Nächte vor dem Einschlafen.
Das ein oder andere Hörbuch hab ich.
"Arbeit und Struktur" - das halt ich irgendwie nicht aus. Ich weiß auch nicht.
So monoton gelesen auch noch.
Aber je mehr ich da sehe - das ist ja unbeschreiblich toll.
"Bilder deiner großen Liebe" muss ich mir, -denke ich auch bald mal reinziehen.
Wahnsinn. Ich kann das schlecht fassen wenn ich mir diese Bilder ansehe.
Das ist ja Wahnsinn.
Unglaublich.
-Naja-
Irgendwo hab ich gelesen, dass er wohl anscheinend mal den Film "Halt auf freier Strecke" gesehen hat und das dieser ihn schwer beeindruckt hat.
Ist ja egal - also natürlich nicht egal - also jedenfalls hab ich über diesen Film auch einmal etwas geschrieben.
Guter Film.
Krasser Film.
Naja.
Eigentlich mag ich dieses ständige "Naja"nicht.
Dann versuch ich es einfach mal wegzulassen.
Im Übrigen bin ich schon der Auffassung, dass man sich in geschriebene Worte verlieben kann.
Sich verlieben ist immer gut - das ist und bleibt das Schönste auf der ganzen Welt.
Ich würde mich gerne mal wieder verlieben.
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Den ganzen
Unsinn werd' ich nie verstehen.
Da hilft nur Einatmen und Vorwärtsgehen.
Am Anfang ist das Kopfweh. Es wird schlimmer und schlimmer. Dann bekommt er die Diagnose. Es ist ein unheilbarer, bösartiger Hirntumor. Man will und kann ihn nicht operieren.
Er ist 44 Jahre alt, hat eine Frau und zwei Kinder.
Manchmal
glaube ich, dass ich zu langsam bin
für all' die Dinge, die um mich herum geschehen.
Doch all' die Menschen, die ich wirklich, wirklich gerne mag,
sie sind genauso außer Atem wie ich. (...)
Der Film ist ein durch und durch bedrückendes Gesamtkunstwerk. Schon die ersten Minuten im Sprechzimmer des Arztes, die scheinbar starr auf den Mann im weißen Kittel gerichteten Blicke vermitteln dem Zuschauer, zumindest mir, eine Art seltsam-tiefer Beklommenheit.
Wahrscheinlich weiß man, dass es im Endeffekt jeden treffen kann und das es dann richtig bitter ist, - mitanzusehen wie der Frau die heißen Tränen blitzschnell und geräuschlos über die Wangen laufen und die ganze Szenerie noch von dem Anruf eines Klinikangestellten unterbrochen, nein, - begleitet wird, ist schon besonders.
Ehefrau Simone wird bis zum letzten Atemzug bei ihrem Frank bleiben.
Später wird sie den Urin aufwischen, weil ihr Mann den Weg zur Toilette nicht mehr finden wird. Sie wird sich von dem immer haltloser und verwirrter werdenden Vater ihrer Kinder anschreien lassen und wird sich dem bereits bettlägrigen auch noch einmal vor Augen der Zuschauer hingeben.
Sie liebt ihn und er liebt sie.
Und alles was mir dann noch übrig bleibt -
Ein bisschen Zweisamkeit als Zeitvertreib (...)
Danach werden sie zusammen eine Zigarette rauchen und gemeinsam auf die winterliche Landschaft und den Baum vorm Fenster blicken.
Und manchmal
glaube ich, dass nichts mehr wichtig ist.
Ich treibe ziellos bis zum Tag, an dem ich sterbe, jaja. (...)
Alle wissen, dass Frank sterben wird. Simone weiß, dass sie bald alleine mit dem Haus und den Kindern weiter machen werden muss.
Doch gerade
dann, wenn ich dann wirklich nicht mehr weiter will,
liegt mein gepflegter Pessimismus in Scherben. (…)
An der ein oder anderen Stelle muss man als Zuschauer vielleicht besonders aufpassen nicht komisch zu werden, - zum Beispiel wenn Frank und Simone anfangen sich Hilfe zu suchen, wenn sie anfangen Hilfsangebote anzunehmen und auf einmal eine sehr esoterisch anmutende Frau vor den beiden sitzt und ungefähr so redet:
„Sie sind nicht selbst schuld an der Krankheit. Sie dürfen das wissen. Sie dürfen und sollen jeden Tag so nehmen wie er kommt und ihn auch genießen.“
Es ist beinahe nicht auszuhalten, irgendwie geht es dann doch.
Die Verzweiflung bahnt sich ihren Weg in Schüben, man liest in Kritiken die Kinder wären mit der Krankheit des Vaters überfordert, vielmehr sieht man jedoch zu wie jeder so handelt wie er eben gerade kann.
Die Diagnose ist und bleibt eine von der Schulmedizin nicht heilbare und somit liegt es vielleicht auf der Hand, dass Frank die CD mit den „Anregungen zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte“ von seiner Mutter tatsächlich in den Player einlegt und dann in zärtlicher Umarmung von seinem kleinen Sohn darüber einschläft. Bei diesem Anblick setzt die zu diesem Zeitpunkt noch von der Arbeit heimkommende Simone sich hin und gönnt sich, ihre beiden Männer fest im Visier, erstmal einen Eierlikör.
Das nach und nach in die Handlung eingeführte Pflegepersonal wird auch von solchem verkörpert.
Es handelt sich hierbei nicht um Schauspieler, sondern um Leute die auch im wirklichen Leben mit „Totgeweihten“ und deren Angehörigen arbeiten. Simone weint nach Erhalt der Diagnose nur noch einmal, nämlich als sie vor derjenigen Pflegekraft steht die viel Erfahrung mit den sogenannten Wesensveränderungen mitbringt, welche auch Frank an den Tag legt.
Das bisschen
Herzschmerz, das bisschen Herzschmerz
das tut doch gar nicht so weh. (…)
Für mich endet der Film nicht mit der Tochter die sagt sie müsse zum Schwimmtraining gehen während ihr Vater die Augen für immer schließt, sondern mit einer erfrischend punklastigen Version von Knyphausens „Sommertag“.
„Trainieren“ kann man den Umgang mit solch einer Diagnose nicht, auch nicht einfach weitermachen.
„Halt auf freier Strecke“ ist ein Film der hoffen lässt die Naturwissenschaften samt dahinterstehend kühner Köpfe würden ihre revolutionären Kräfte bald abermals gewinnbringend entfalten und den Ärzten somit konsequenterweise auch noch die endgültige Heilung des noch so bösartigen Tumor ermöglichen.
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Zitierter Songtext aus dem Abspann des Filmes:
„Sommertag“ von Gisbert zu Knyphausen, gelesen auf songtexte.com
zuletzt geöffnet am 25.03.2014 um 19:30 Uhr